Peru
17.-26. März 2009

 Wie wir Höhenkrankheit, kriminelle Prozentrechnung, Alligatorbiss und Coca-Konsum überlebten, uns von einem Schamanen heilen ließen, in Inkastätten eine Treppenallergie entwickelten und den Amazonas für Faultiere und Anacondas unsicher machten – viele spannende Tage in Südamerika!

 

Weil der Bericht so wahnsinnig lang geworden ist, habe ich ihn einfach mal in ein paar "Kapitel" zerschnitten.
Viel Spaß beim Lesen!

Wieso eigentlich ausgerechnet Peru?
Prima Klima in Lima (17.-19. März)
Höhenkrankheit und Anschlussprobleme im "Coca-Rausch" (19.-20. März)
Inkastätte im Sonnenschein, Muskelkater gratis (20. März)
Mode und Märkte im Sacred Valley (20.-21. März)
Ein verhinderter Ruinenbesuch, ein schlechtes Abendessen und ein heimlicher Hostel-Tausch (21. März)
Von Iquitos, der Stadt im Dschungel, dem Speer-Fischen und unserem ersten Tag in der Jungle Lodge (22. März)
Dschungel-Abenteuer mit Schamane Lobo und der überaus wilden Wildnis (23.-25. März)
Gefahren eines Dschungel-Spaziergangs (25. März)
Das Problem mit 3-Sterne-Hotels in Iquitos und ein Waisenhaus für illegal verkaufte Tiere

 

  

Wieso eigentlich ausgerechnet Peru?

Tja… das werden wir einige Male gefragt! Peru stand auf unserer Wunsch-Reiseländer-Liste nämlich eigentlich bis vor Kurzem gar nicht drauf, aber da unsere Freundin Gesa seit Oktober 2008 für eine Weile in Lima lebt und wir eingeladen waren, sie zu besuchen, haben wir uns dann doch mal für dieses Land interessiert – und dann recht spontan die Einladung angenommen. Zum Glück!

Die Reiseplanung hat Gesa netterweise größtenteils übernommen – sie hat auch schon einige Kontakte geknüpft, über die wir hilfreiche Tipps bekommen. So erleben wir in nur 9 Tagen jede Menge Peru – und werden für alle Mühen, die wir dabei auf uns genommen haben, sehr reichlich belohnt!

Auf der nebenstehenden Karte sieht man rot markiert die Städte, in deren Umgebung wir uns aufgehalten haben. Alle Stationen der Reise kann man aber auch ganz genau in Google Maps unter diesem Link ansehen: http://xiane-und-niko.de/peru

In den letzten Wochen vor der Abreise schreiben wir mit Gesa viel per ICQ oder Mail hin und her, wenn mal wieder ein Flug doch schon ausgebucht ist, ein Zug zu teuer oder ein Aufenthalt zu kurz; wir beraten Preise, Gepäck und Programmwünsche. Und schließlich bekommen wir auch noch die Wunschliste von Gesa, was wir ihr aus Deutschland mitbringen sollen – in Peru schwer oder nur teuer zu bekommende Dinge wie zum Beispiel eine vernünftige Bettdecke, Salami oder Nutella.

Für drei Klimazonen (Küste, Andenhochland, Amazonastiefland) mit Kleidung und Schuhen ausgerüstet und mit einer ganzen Tasche voller Dinge für Gesa beginnt unsere Reise dann erst einmal damit, dass wir am 16.3. unsere Hunde nach Buke (Altenbeken) zu den Eltern in die „Hundepension“ geben. (Dort fühlen sie sich übrigens sehr wohl und benehmen sich offenbar auch nicht allzu sehr daneben– sie sind nämlich weiterhin willkommen.)

Von Buke aus geht es weiter nach Frankfurt, dort gibt es bei Johannes und Antje ein sehr üppiges Abendessen zur Stärkung und früh morgens ein Privattaxi zum Flughafen.

Dann geht die Reise richtig los! Mit Iberia (günstig, leider nicht so guter Service) geht es zunächst etwa 2 Stunden lang nach Madrid. Dort stehen wir nach kurzem Aufenthalt dann leider aber erst einmal eine Stunde auf dem Rollfeld, weil ein Gepäckstück fehlt, aber dann geht es endlich weiter: elf weitere Stunden Flug, und wir landen in Lima – Ortszeit kurz vor 20 Uhr, in Deutschland ist es allerdings schon der nächste Tag, 2 Uhr morgens, und wir sind ein bisschen müde.

 

Prima Klima in Lima (17.-19. März)

Gesa holt uns vom Flughafen ab, in Begleitung von Renzo, einem Freund. Nach Wochen des kühlen Regenwetters in Deutschland ist es toll, abends noch im T-Shirt durch die Stadt zu laufen!

Zusammen fahren wir dann erstmal zu ihrer Wohnung. Vom Flughafen zu Gesa braucht man etwa 40 Minuten (weil das Taxi selten schneller fährt als 30 bis 40 km/h), es kostet aber nur 5-6 Euro! An die günstigen Preise müssen wir uns noch gewöhnen. Es gibt viele Taxistrecken, für die wir nicht mehr als 4 oder 5 Soles, also etwa einen Euro bis einen Euro und zwanzig Cent.

Gesa wohnt im schönen Ortsteil Barranco – einer der besten Wohngegenden, in denen man auch abends mal alleine durch die Straßen gehen kann. Trotzdem sind alle Türen, Fenster und Garagen vergittert und vor vielen Häuserblocks sitzt oder steht ein Wachmann.

Alles macht einen sehr gepflegten Eindruck, und von Gesas Wohnung (das gelbe Haus in der Mitte, dritter Stock) aus hat man einen schönen Blick über den Ortsteil und auf eine kleine Grünfläche mit Teichanlage und Koi-Karpfen. Total toll sind die riesigen Fenster, die fast einen Rundum-Blick ermöglichen - um Wärmedämmung muss man sich hier ja keine großen Gedanken machen. Und an den Lärm gewöhnt man sich eben. ;-)

Nach kurzem Umziehen starten wir zu einer kurzen Führung durch Barranco, die mit einem Abendessen endet. Wir probieren bei der Gelegenheit gleich das Nationalgetränk Pisco Sour aus Traubenschnaps, Limettensaft, Zuckersirup und Eiweiß – schmeckt interessant, wird aber nicht unser neues Lieblingsgetränk! ;-)

Niko testet eine weitere lokale Spezialität: Anticucho, Spieße aus Rinderherzscheiben, mariniert in Essig und Bier. Gesa und Renzo sind sich aber beim Probieren einig, dass dieses Anticucho nicht wie typisches Anticucho schmeckt, und Niko muss es später noch mal anderswo probieren.

Mit auf dem Teller liegt auch ein Stück von einem Maiskolben, nur, dass die Körner doppelt bis dreifach so groß sind wie bei unserem Mais! Gesa erklärt uns, dass es in Peru nicht nur eine Sorte Mais gibt, sondern sehr viele, und dieser gehört eben zu Anticucho. Aus anderen werden Getränke gemacht, nämlich die bierartige Chicha aus hellem Mais und die alkoholfreie Chicha morada aus Lila-Mais. Chicha wollen wir lieber nicht unbedingt probieren, da sie traditionell durch das Zerkauen der Maiskörner hergestellt wird.

Hier mal ein Bild vom Markt, welches die Mais-Sortenvielfalt ein bisschen zeigt:

Für so ein komplettes Abendessen für drei Personen zahlt man übrigens nicht viel mehr als 20 - 25 Euro. Meist werden mittags auch noch Menüs angeboten, bei denen jeder für 20 Soles (also 5 Euro) oder weniger eine Vorspeise, ein Hauptgericht, einen Nachtisch und ein Getränk bekommt.

Am nächsten Tag machen wir einen kleinen Stadtrundgang und besichtigen die Plaza San Martín (die in unserem Reiseführer noch ganz anders aussieht, weil die Gebäude dort noch rot gestrichen sind). Hier mal der direkte Vergleich:

Auf dem weiteren Weg machen wir eine spontane Kirchenbesichtigung im Convento de La Merced! Man stelle sich vor, in einer deutschen Kirche würde jemand die Altäre an den Seiten mit Plastikblumen "schmücken", Fotos von Verwandten darunter stellen, Weihnachtsschmuck an Jesusfiguren hängen (und bis März hängen lassen) und alle Arten von denkbar hässlich-schrill-bunten Dekorationen in so großer Menge verteilen, dass man die Figuren auf dem Altar kaum noch sieht - nein... das kann man sich in Deutschland nicht vorstellen. Hier ist es Realität! Andererseits: in Deutschland sieht man selten so viele betende Menschen in der Kirche und in den vielen kleinen Seitenkapellen - allenfalls Touristen in den großen, bekannten Kirchen.

Schmunzeln müssen wir auch über die Kerzen, die man hier wie in jeder Kirche anzünden kann. Es handelt sich um elektrische Kerzen wie am Weihnachtsbaum, und sie gehen an, wenn man Geld einwirft. Ob sie nach genau einer Teelichtbrennzeit ausgehen?

Gleich um die Ecke ist die Plaza de Armas oder auch Plaza Mayor. So einen Platz gibt es fast in jeder Stadt, es ist der Ort, an dem früher für den Verteidigungsfall die Waffen (Armas) gelagert wurden. In diesem Fall ist es auch der Platz, an dem Stadtgründer Pizarro seinen Palast hatte, an dessen Stelle nun der Regierungspalast steht. Drumherum gruppieren sich die Kathedrale, der Palast des Erzbischofs und das Rathaus, also ein SEHR wichtiger Platz. ;-) Ganz witzig finden wir die kleinen Erker aus Holz an vielen Gebäuden – die waren dazu gedacht, dass die feinen Damen von dort aus ungesehen das Getümmel auf dem Platz betrachten konnten.

Spannender scheint dann allerdings die Besichtigung des Franziskanerklosters in der Nähe, des Convento San Francisco mit seinen Katakomben. Leider haben wir etwas Pech mit unserem Führer: der macht einen eher bekifften Eindruck, zappelt ständig herum, nuschelt und leiert Zahlen und Daten herunter, und auf direkte Fragen kann er irgendwie nicht antworten. So erfahren wir zwar zu fast jedem Bild im Kloster, wer es wann gemalt hat oder dass der Künstler unbekannt ist, jedoch kaum etwas zu den Inhalten. Schade.

Ein Bild zeigt riesig groß das letzte Abendmahl. Laut unserem Führer zeigt es deutlich, dass Jesus auf seinem Teller ein gebratenes Meerschweinchen hat – das kann man aber nicht wirklich erkennen.

Trotzdem ist das Kloster beeindruckend! Die Bibliothek lässt uns und den Kanadiern, die die Führung mit uns machen, jedoch verzweifeln: die wunderschönen und sicher wertvollen alten Bücher, die hier aufbewahrt werden, sind überhaupt nicht geschützt. Sie stehen bei offenen Fenstern und hoher Luftfeuchtigkeit einfach so in den Regalen oder liegen aufgeschlagen auf Pulten – vermutlich werden sie nicht mehr lange lesbar sein. Schade vor allem um die riesigen Gesangsbücher, die so groß sind, dass alle Mönche aus der Distanz gleichzeitig den Text ablesen konnten. Sie wurden im Chor auf ein drehbares Gestell gelegt, sehr praktisch.

Dann geht es hinunter in die Katakomben. Hier wurden bis 1808 die Toten bestattet, allerdings auf etwas unkonventionelle Art und Weise: in jedes Grab wurden mehrere Tote gelegt, und nach der Verwesung wurden die Knochen eingesammelt, sortiert und aufgeschichtet. So entstehen mehrere Gruben, die viele Meter hoch mit Knochen gefüllt sind. In einer Grube liegen nur Schädel, in den meisten liegen obenauf Oberschenkelknochen, teilweise zu Mustern gelegt. Gruselig…

(Da man eigentlich nicht fotografieren darf, haben wir von diesen Knochenmustern leider kein Bild.)

Zurück im Sonnenlicht ist das aber bei einem Eis schnell vergessen, und wir versorgen uns noch schnell mit ein paar Kleinigkeiten für das Mittagessen im Metro, einem Supermarkt. Hier gibt es Brötchen zu Preisen wie in Deutschland - allerdings ist der Preis nicht pro Stück, sondern pro Kilo angegeben! Den Saft kauft man am besten frisch gepresst, denn Orangensaft aus der Tüte ist meist nur Zuckerwasser mit Geschmack. Der frische Saft kostet ja auch nicht viel!

Kurze Zeit später machen wir uns auf den Weg zum Strand. Ein Taxi fährt uns hin: insgesamt fünf Leute und den Fahrer, es ist ENG! Aber in Peru ist man nur vorne verpflichtet, sich anzuschnallen, und offenbar dürfen immer so viele Leute mitfahren, wie ins Auto passen. Dafür fährt man deutlich langsamer, und das Geschwindigkeitsgefühl stellt sich nur deshalb ein, weil es laut ist und natürlich immer alle Fenster offen stehen: die Klimaanlage der Peruaner.

Das wichtigste in einem peruanischen Auto ist allerdings die Hupe. Damit kündigt man alles an: das Überholen, das „Geh von der Straße“ für einen der vielen überall herumlungernden Hunde, das Abbiegen an einer Kreuzung oder einfach nur die Tatsache, dass man kommt. Natürlich grüßt man damit auch seine Freunde, schimpft auf langsame Verkehrsteilnehmer und lädt potentielle Reisende zur Mitfahrt ein. In Barranco und Miraflores, den besseren Stadtteilen Limas, existiert seit Kurzem ein Verbot für unsinniges Hupen – ob es dann allerdings auch geahndet wird, weiß noch niemand! Jedenfalls lärmt es den ganzen Tag und die ganze Nacht, weil jeder immerzu hupt.

Wir fahren zu einem etwas weiter entfernten Strand, und dazu fahren wir ein Stück die Panamericana herunter, eine der berühmtesten Straßen der Welt.

Dabei kommen wir zwar einerseits an den größten und aufwändigsten Werbeplakaten Limas vorbei, andererseits aber auch an den ärmeren Vierteln der Stadt, die keinen Wasseranschluss haben und per Wassertankwagen einmal am Tag mit Trinkwasser versorgt werden müssen. An den Hängen werden teilweise Bäume extra deshalb angepflanzt, damit nicht über Nacht jemand dort sein „Haus“ aus Brettern erbaut, denn offenbar ist es für die Grundstücksbesitzer schwer, die mittellosen "Mieter" wieder loszuwerden.

 

Am Strand angekommen genießen wir blassen Norddeutschen erst einmal die Sonne, springen aber auch mal ins angenehm lauwarme Wasser des Pazifiks. Während wir die Surfer beobachten, fallen uns auf einmal Delphine auf, die genau wie die Surfer das Wellenreiten lieben und sich wohl ein Spiel daraus machen. Leider sind sie zu weit draußen, um ohne Surfboard sicher hin schwimmen zu können, denn die Strömung ist ziemlich stark – sonst hätten wir es mal gewagt, mit den Delphinen zu schwimmen!

Im Bild sieht man vorne links den Kopf eines Surfers und in der Mitte und rechts die Rückenflossen von zwei Delphinen.

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Stopp am Larcomar – einem großen Einkaufszentrum, das in die Klippen direkt am Meer gebaut wurde. In den Klippen finden sich Kinosäle, Shops und Discos, von deren Fenstern aus man die Dämmerung über dem Meer betrachten kann.

Wir sind pünktlich zum Sonnenuntergang da, den wir von der oberen Terrasse aus sehr schön sehen, und machen ein paar schön kitschige Fotos.

 

Abends ist Feiern angesagt: ein paar Leute treffen sich zum Vorglühen bei Gesa, was zu einem schönen Sprachgewirr aus Spanisch, Englisch und Deutsch führt, anschließend soll es eigentlich zu einem Konzert gehen. Wir entscheiden uns aber spontan um und landen in der „Hakuna Bar“, wo wir in großer Runde viel zu lange trinken und auch tanzen.

Niko stellt fest, dass er seine Spanischkenntnisse aufbessern muss, da er beim Versuch, 6 Cola-Rum zu bezahlen, stattdessen weitere 6 Gläser bestellt hat – die schaffen wir aber auf keinen Fall, schließlich ist es schon sehr spät und wir müssen früh aufstehen! Also lassen wir (seufz) die Getränke unangetastet und huschen ins Bett. Drei Stunden später klingelt der Wecker, und wir beginnen unsere Tour in die Anden!


Höhenkrankheit und Anschlussprobleme im "Coca-Rausch" (19.-20. März)

Total verschlafen lassen wir uns natürlich etwas später als geplant vom Taxi zum Flughafen fahren, wo wir dann erstmal Flughafengebühren latzen müssen. Kurz darauf sitzen wir im Flieger nach Cuzco, der ehemaligen Inka-Hauptstadt Perus.

 

Da die Stadt in über 3400 m Höhe liegt, müssen wir wohl mit einigen Nebenwirkungen des plötzlichen Höhenwechsels rechnen, also bereiten wir uns so gut wie möglich darauf vor. Es wird empfohlen, sehr viel zu trinken, und die Einheimischen schwören auf die Wirkung von Coca, also den Blättern des Coca-Strauches. Genau – das ist das Zeug, aus dem man Cocain herstellen kann, wenn man will, und darum ist die Einfuhr nach Deutschland auch strengstens verboten.

Das Kauen der Blätter oder das Trinken von Coca-Tee ist jedoch nicht stärker anregend als das Trinken von Kaffee! Es gibt auch Coca-Bonbons, die ähnlich wie Malzbonbons schmecken, innen aber etwas krümelig sind. Trotzdem lecker. Das wären tolle Mitbringsel gewesen, denn den Tee, der ähnlich wie ein Kräutertee schmeckt und nach Heu duftet, gibt es überall ganz normal in Teebeuteln zu kaufen - oder an der Straße von den Peruanerinnen mit frischen Cocablättern aufgebrüht. Und die Bonbons gibt es auch in jedem kleinen Laden an der Theke (nicht unter der Theke!) für wenig Geld. Leider wäre die Einfuhr aber ein Verstoß gegen das deutsche Betäubungsmittelgesetz gewesen, und das wollen wir lieber nicht riskieren.

Also bestellen wir uns im Flieger erstmal jeder einen Coca-Tee, ein Wasser und eine quietschgelbe Inca-Kola. Inca-Kola ist noch ein Nationalgetränk (neben Pisco Sour, Chicha und Coca-Tee) der Peruaner. Es gibt wohl nur zwei Länder, in denen eine landestypische Limo von den Einheimischen häufiger getrunken wird als Coca-Cola, und Peru gehört mit seiner Inca-Kola dazu! Schmeckt übrigens nicht schlecht, natürlich wie alle Limonaden recht süß – es gibt aber auch die kalorienbewusste Light-Variante. ;-) Wir trinken in Peru jedenfalls bei jeder sich bietenden Gelegenheit Inca-Kola – die gibt´s in Deutschland schließlich nicht so oft!

 

Kaum sind wir in Cuzco gelandet und die Türen geöffnet, wird mir trotz Coca-Tee auch schon schwummerig. Die anderen merken es erst beim Aufstehen richtig – wir haben alle ein Gefühl wie beim zu schnellen Aufstehen oder bei Kreislaufproblemen: Gummibeine und ein leicht vernebelter Blick, und wenn wir nicht in Bewegung sind, setzen wir uns sofort hin, um nicht umzukippen! Bei mir kommt noch eine leichte Übelkeit dazu – vielleicht auch ein bisschen Reisekrankheit vom Fliegen.

In Cuzco stärken wir uns bei McDonalds mit Coca-Tee (Ja! Den gibt es hier eben überall!) und Kaffee und schicken den Eltern eine ganz kurze Wir-sind-gut-gelandet-E-Mail über das WiFi nach Hause. Vor dem Laden sitzen Mädels in typischer Tracht zum Betteln - sie freuen sich auch, wenn man ihnen etwas zu Essen schenkt.

Nun suchen wir einen Laden, in dem wir Coca-Bonbons und Wasserflaschen kaufen konnten (das ist einfach) und eine Apotheke, in der wir Tabletten zur Vorbeugung gegen Höhenkrankheit bekommen (das ist etwas schwieriger). Während wir so vor uns hintrödeln und uns an dem lustigen Gummibeine-Gefühl erfreuen, stellen wir plötzlich fest, dass es langsam knapp wird, noch nach Ollanta zu kommen, unserer nächsten Station, wo wir dringend einen Zug erreichen müssen! Also werden wir nun doch etwas hektisch und suchen uns schnell ein Taxi, statt wie geplant einen langsamen, dafür günstigeren Bus.

Im Taxi rasen wir nach Ollanta, nachdem Gesa dem Taxifahrer die Dringlichkeit der Situation klar gemacht hat. Mir wird schlecht, die anderen müssen dringend aufs Klo, nachdem wir ja nun versucht haben, in kürzester Zeit jeder zwei bis drei Liter Flüssigkeit zu trinken – aber anhalten wäre blöd, weil wir den Zug nicht verpassen wollen!

Das Ticket hat uns immerhin schon viel Geld und Nerven gekostet: erstens ist es sowieso teuer, zweitens hatte beim Buchen ein kleines Missgeschick dazu geführt, dass wir ein Ticket für den Zug einen Monat früher hatten – und dann mussten wir uns leider noch eins für den aktuellen Monat kaufen. NOCH ein Ticket wollen wir wirklich nicht kaufen!

Also gibt der Taxifahrer Gas und hupt alle anderen von der Straße, und wir rauschen durch serpentinenartig gewundene Straßen bergauf und bergab. Die Landschaft ist wunderschön, aber so richtig genießen können wir es alle nicht – vor allem an den diversen Schlaglöchern und Geschwindigkeitsregulierungs-Huppeln auf der Straße: mir wird da immer ganz besonders schlecht, die anderen befürchten einen Riss in der Blase oder einen feuchten Sitz! Eineinhalb Stunden geht die Fahrt – letztlich doch mit einer kurzen Unterbrechung in einer Kurve, nachdem es gar zu sehr geschaukelt hat und die praktische Papiertüte aus dem Flugzeug einfach nicht schnell genug zu finden war…

Wir rasen den Berg hinunter zur Bahnstation – das letzte Stück geht nur zu Fuß, und unser freundlicher Taxifahrer schleppt uns sogar noch eine Tasche – doch kurz vor dem Bahnsteig werden wir zurückgeschickt – wir müssten aus unseren e-Tickets erst noch richtige Tickets machen, das ginge nur oben am Schalter. Also den Berg wieder rauf, voll bepackt und mit gar nicht mehr lustigen Gummibeinen und immer noch vollen Blasen. Am Schalter wird schnell das Ticket gedruckt, auf geht’s zur Bahn!

Leider haben wir nicht beachtet, dass der Ausdruck nun die Zeiten für das falsche Ticket (von vor einem Monat!!) zeigt. Der Schaffner an der Bahn merkt es leider schon und lässt uns nicht einsteigen. Völlig aus der Puste und immer noch mit schwummerigem Bauchgefühl geht es wieder den Berg rauf zum Schalter – doch die Bahn fährt ohne uns los. :-(

Zum Glück fährt drei Stunden später die nächste Bahn, und zum noch größeren Glück schafft es Gesa, die Frau am Schalter davon zu überzeugen, dass diese Bahn uns dann auch mitnimmt, ohne dass wir ein drittes Mal bezahlen müssen. Das ist schon erstaunlich, denn als wir Tage vorher versuchten, eine Bahn zu buchen, waren die meisten Züge schon voll ausgebucht!

Puuuuh… wir machen erst mal eine Verschnaufpause in der Sonne, jetzt endlich etwas ruhiger. Dann nutzen wir die Zeit, um uns in Ollanta etwas umzusehen und uns schon mal für die Rückreise ein Hostel zu suchen. Danach gehen wir essen – oder versuchen es. An der Plaza de Armas finden wir ein kleines Restaurant, welches uns ein Menü verspricht. Leider dauert es schon bis zur Suppe sehr lange, obwohl wir schon gesagt haben, dass es eilig ist. Die drei verschiedenen Suppen sind katastrophal: sie sind mehlig und schmecken bestenfalls nach wenig, dafür sind es aber besonders große Teller. Wir lassen sie nach wenigen Löffeln stehen und hoffen auf den Hauptgang, der aber lange Zeit nicht kommt. Der Kellner lässt sich auch nicht mehr blicken. Schließlich legen wir ein bisschen Geld unter einen Suppenteller und rasen mal wieder den Berg hinunter zur Bahnstation – déjà vu! Dieses Mal dürfen wir aber in den Zug einsteigen, yeah.

Es ist ein Panorama-Zug, dessen Fenster besonders weit nach oben gehen – das ist sinnvoll, wenn man in einer Schlucht zwischen den Bergen fährt, denn so kann man auch die teilweise schneebedeckten Bergspitzen bewundern! Neben der Bahnstrecke fließt der Rio Urubamba, und ab und an kann man an den Berghängen die typischen Terrassen der Inka erkennen, die hier den steilen Wänden etwas Ackerland abgetrotzt haben.

Nach eineinhalb Stunden Fahrt kommen wir, mittlerweile im Dunkeln, in dem kleinen Ort Aguas Calientes an. Von hier aus kann man mit dem Bus zum Machu Picchu fahren, unserem eigentlichen Ziel – aber erst am nächsten Tag. Also suchen wir uns erst einmal ein Hostel, wo wir wieder mal spottbillig, aber ziemlich schlicht übernachten. Es liegt wie der ganze Ort am Berg – die Straße, gesäumt von Hostels und Restaurants, ist eigentlich eine einzige Treppe.

Hier sehen wir dutzendfach die Einheimischen des Andenhochlands: sie sind alle ganz klein und sehen teilweise aus, als wären sie mindestens hundert Jahre alt. Die Frauen tragen fast alle zwei Zöpfe, die sie ganz unten dann wieder zusammengebunden haben, und dazu Trachtenkleider. (Gesa und ich machen uns einfach auch zwei Zöpfe und passen uns damit ein wenig an!) Es ist ein bisschen schwer, ein Foto zu machen, ohne dabei das Gefühl zu haben, ein Tier im Zoo zu fotografieren, aber die eine oder andere ursprüngliche Andenbewohnerin schafft es dann doch noch auf unsere Bilder. Am liebsten würde ich mal eine neben Niko stellen, nur so zum Größenvergleich. ;-)

Zum Glück treffen wir zwei Tage später in Cuzco zwei Damen in Andentracht mit Ziegenbabies, die sich unbedingt (natürlich gegen Geld) fotografieren lassen wollen. Da ich Ziegen ja mag und sowieso so ein Bild haben wollte, trifft sich das sehr gut. ;-)

(Also - ich bin 1,70m groß... und diese beiden Damen waren für die Anden sehr durchschnittlich, vielleicht schon eher groß. *grins*)

Nach dem Abendessen gönnen wir uns dann ein Bad in den heißen Quellen, die dem Ort ihren Namen gegeben haben: man muss den Berg ganz hinaufklettern, dann kommt man zu den Becken unter freiem Himmel, in denen sich die Peruaner in angenehm warmem Wasser tummeln. Touristen sieht man hier kaum, trotzdem sind die Eintrittspreise für peruanische Verhältnisse gesalzen.

Die Atmosphäre in den Becken unterm Sternenhimmel, gleich neben einem plätschernden Gebirgsflüsschen, das man die ganze Zeit hört, ist aber einmalig, und das Wasser sehr entspannend. Es muss aber auch schön sein, hier am Tag die Wärme zu genießen, wenn man sieht, wie man von allen Seiten von üppigem Grün umgeben ist!

Wir schaffen es wieder nicht sehr früh ins Bett und sind wieder total unausgeschlafen, als am nächsten Morgen sehr früh Nikos Handy sein fröhliches „Guten Morgen, Sonnenschein“ flötet.

Die Sachen lassen wir überwiegend im Hostel, und schon rasen wir los, denn der erste Bus zum Machu Picchu fährt um halb sieben. An der Bushaltestelle stellen wir allerdings fest, dass wir natürlich erst einmal Tickets kaufen müssen – nicht im Bus, der schon wartet, sondern an einem Ticketstand, ein paar Meter den Berg hinauf. Während wir warten, dass Niko noch mal Geld an einem Automaten zieht, kaufen wir uns drei Frühstücksbrötchen und drei Coca-Tee von einer der einheimischen Frauen, die hier reihenweise stehen, mit Tablett in der einen Hand und Teekanne um den Rücken geschnallt, und die es irgendwie sehr effizient hinbekommen, mit ihrer ganzen Bepackung einen Coca-Tee aus frischen Blättern aufzubrühen und zu kassieren.

Niko kommt leider ohne Geld wieder – der Automat ist leer. Ein schneller Kassensturz ergibt: jetzt reicht das Geld leider so gerade nicht mehr für den Bus! Mist. Noch einen Geldautomaten gibt es im Ort nicht.

Mmmhh… man könnte auch zum Machu Picchu laufen! Das war sogar ursprünglich unser Plan. Aber den hatten wir aus einem guten Grund verworfen: einen bestimmten Bereich der Anlage, den Berg Huaynapicchu, dürfen nur 400 Leute pro Tag besteigen, und wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Also wollten wir eigentlich möglichst früh in der Warteschlange stehen. Es muss also schnell gehen – wir lassen uns also mal ganz gezielt übers Ohr hauen, indem wir in einem Schmuckladen mit Kreditkarte etwas „kaufen“ und dann „zurückgeben“ und uns in Bargeld auszahlen lassen. Der Verkäufer ist sofort dabei, schließlich muss er leider, leider 20% auf das ausgezahlte Geld aufschlagen, die Gebühren, wir wissen ja, wie das sei.

Der Fuchs! Er hat auch eine ansatzweise kriminelle Art der Prozentrechnung entwickelt, von der er auch nicht abzubringen ist: Er lässt sich von der Kreditkarte 300 Soles (etwa 75 Euro) überweisen und zahlt uns 240 Soles aus – schließlich sind 60 Soles ja genau 20 % des Preises, meint er. Und das macht er immer so, wie er uns anhand anderer Belege erklärt.

Wir hatten allerdings etwas anders gerechnet: wir möchten 250 Soles haben, plus 20 % Gebühr entsprechend 50 Soles, macht 300 Soles. Die 10 Soles, um die er uns nun bescheißt, gönnen wir ihm nach einigen Minuten vergeblichem Mathekurs einfach mal, denn schließlich haben wir uns ja selbst in diese blöde Situation gebracht – und der nächste Bus wartet schon!

Übrigens: die Schreibweise der Orte ist schwierig, denn es gibt immer mehrere Varianten. Unter anderem die eher spanische Variante und die in Quechua, der Sprache der Ureinwohner. Ein Huanapicchu kann also auch mal ein Waynapicchu sein! ;-)
 

Inkastätte im Sonnenschein, Muskelkater gratis (20. März)

Unsere Busfahrt hinauf zum Machu Picchu ist ein einziger Werbefilm für die Schönheit der uns umgebenden Berge! Die Sonne ist gerade aufgegangen und wie Morgennebel ziehen Wolkenfetzen an den Gipfeln vorbei.

Jedes Mal, wenn wir wieder um eine der vielen Serpentinenkurven fahren, die zur Inkastätte führen, bieten sich neue, tolle Bilder, und die Kameras im ganzen Bus klicken wie wild. Hier im Bild sieht man mal die Serpentinen - unten am Fluss liegt der Ort Aguas Calientes, von dem wir losgefahren sind.

Oben angekommen, gönnen wir der Kulisse jedoch kaum noch einen Blick, sondern wir rasen zum Eintrittshäuschen, wo wir brav unsere Ausweise und Zahlbelege vorzeigen.

Kaum am Kassenhäuschen vorbei flitzen wir los – bis ans andere Ende des Geländes, was uns ganz schön weit vorkommt. Immerhin ist hier die Höheneinwirkung nicht mehr so schlimm, der Machu Picchu liegt „nur“ auf etwa 2360 m. Natürlich waren durch unsere Bus-Odyssee schon viele vor uns da, und so stellen wir uns für eine gute halbe Stunde in eine sehr langsam vorankriechende Schlange, nicht ahnend, ob wir nun noch zu den glücklichen 400 gehören oder nicht.

Aber: Wir schaffen es!! 40 bis 50 Leute nach uns auch noch, dann ist Schluss. Die Unesco hat den Machu Picchu nämlich zum Weltkulturerbe erklärt, und die Begrenzung der Besucherzahlen soll Erdrutsche und Umweltverschmutzung verhindern.

Eine Gruppe darf ab 7 Uhr aufsteigen, die nächste ab 10 Uhr – wir kriegen noch die 7-Uhr-Gruppe, obwohl es kurz nach acht ist.

Wir beginnen sofort mit dem Aufstieg – noch grinsend über das Schild am Eingangsbereich, auf dem es hieß, dieser sei nur für Menschen gedacht, die „fit and healthy“ sind, und er würde circa eine Stunde dauern. Lächelnd überholen wir eine Gruppe vor uns. Viel breiter lächeln diese Leute, als sie etwas später uns überholen, während wir bereits mit roten Köpfen verschnaufen. Doch das Spielchen machen wir noch mehrere Male – alle brauchen häufig Pausen, alle sind nach kurzer Zeit nass geschwitzt und Einige geben tatsächlich auf.

Der Weg geht fast die ganze Zeit über steil bergauf, die Stufen sind unregelmäßig, teilweise nicht vorhanden und teilweise mehr als kniehoch, was auf Dauer besonders anstrengend ist. An einigen Stellen muss man sich mit einem Seil an ein paar Wurzeln hochziehen. Ein tolles Höhentraining! Mit einem etwas mulmigen Gefühl denken wir aber daran, dass es keinerlei Absicherungen gibt (der TÜV hätte das so nie zugelassen) und dass bei einem Sturz der Weg bis zu einer medizinischen Einrichtung sehr weit wäre.

Die Aussicht entlohnt uns aber für die Mühen – nach und nach kommt der Machu Picchu, die Ruinenansammlung einer Inkastadt, ins Bild, und das Fotografieren ist nicht mehr nur eine billige Ausrede, um kurz eine Verschnaufpause zu machen! ;-)

Nach fast eineinhalb Stunden sind wir endlich ganz oben, 2701m hoch, nachdem wir zuletzt auch noch durch eine nur etwa 80 cm hohe und sehr enge Höhle geklettert sind und uns dabei total mit Schlamm eingesaut haben. Hier herrscht mittlerweile schon ein regelrechtes Gedränge vor dem „Thron des Inka“, einer Art Sitz im Stein, von dem aus dem der Inka vielleicht die Bauarbeiten kontrolliert hatte – alle wollen sich dort fotografieren lassen! Wir auch!

Die Aussicht ist atemberaubend, und wir haben auch wirklich Glück mit dem Wetter: die Sonne scheint und die Bergkuppen sind nicht die ganze Zeit hinter Wolken oder Nebel versteckt, wie es sonst häufig der Fall sein soll.

 

Hier zeigt sich, dass es total spitze ist, dass Niko versehentlich (echt!!) noch die Kamera vom LZH mitgenommen hat - der Zoom ist genial!

Nach einem Picknick in luftiger Höhe (es gibt Mandarinen, und aus den Schalen kann man sich lustige Masken bauen... *grins*) machen wir uns an den Abstieg, der zwar nicht so anstrengend ist, dafür aber volle Konzentration erfordert, damit man nicht fällt. Uns kommen die Leute vom 10-Uhr-Aufstieg entgegen, und wir erfreuen uns an ihren knallroten Gesichtern und verschwitzten T-Shirts, erzählen ihnen zur Aufmunterung aber auch, dass es sich wirklich lohnt. Wobei leider mittlerweile Wolken aufziehen und es zu nieseln beginnt…

Jetzt ist endlich Zeit, den Machu Picchu aus der Nähe zu betrachten! (Und die Lamas, die hier herumlaufen, natürlich auch!) Wir umrunden das Gelände erneut und suchen nach einer Zwangspause durch einen längeren Regenschauer zunächst einmal das gegenüber liegende Ende auf: Das Ende des Inka Trails. Klar, den Inka Trail hätten wir gerne gemacht - aber es ist ein Wanderweg, für den man 3 oder 4 Tage braucht, und so viel Zeit haben wir ja leider nicht. Abgesehen davon ist er auch auf 500 Leute pro Tag begrenzt und auf Monate im Voraus ausgebucht.

Der Trail endet an einem Aussichtsturm - von hier aus hat man die klassische Postkarten-Aussicht auf den Machu Picchu mit den Zuckerhut-artigen Bergen am Ende (die Silhouette der Berge soll ein Indianergesicht auf der Seite sein, na ja... das sieht man hier nicht so richtig.) Auf dem höheren Gipfel waren wir gerade!! Wir stellen fest, dass es wirklich steil aussieht und sind ganz schön stolz auf uns.

Wir steigen wieder ab in die Ruinenstadt (mittlerweile macht sich schon ein Muskelkater in den Unterschenkeln bemerkbar...) und besichtigen einige der gut erhaltenen Häuser und Tempel.

Die typischen Wände haben die Forscher vor Rätsel gestellt: die Steine sind teilweise tonnenschwer, und sie sind exakt so behauen, dass die Fugen sehr klein sind. Dabei entstehen teilweise recht merkwürdige Formen. Da die Inka offenbar das Rad nicht erfunden und genutzt haben, weiß man nicht, wie sie es geschafft haben, die riesigen Felsen zu transportieren.

Ein ganz besonders großer Felsen liegt im „Allerheiligsten“, dem Intiwatana – dem Ort, wo die Sonne angebunden ist. Der Stein diente offenbar zur  Messung von Sonnenlauf, Tageszeit und Planetenbahnen, seine Ecken sind genau nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet und die Neigung seiner Oberfläche hat Bezug zum Verlauf des Äquators.

Moment… - und DIE Leute, die das alles berechnen können, hatten noch nicht das Rad erfunden? Das glaub ich nicht!!

(Also, ich kann keine Planetenbahn berechnen, mal ehrlich. Schon gar nicht mit keiner anderen Hilfe als einem vieleckigen Stein.)

 

Mode und Märkte im Sacred Valley (20.-21. März)

Müde, hungrig und durstig, aber sehr zufrieden mit uns steigen wir schließlich am Nachmittag in einen der Busse nach Aguas Calientes. Dort holen wir nur schnell unsere Sachen aus dem Hotel, essen etwas und kaufen uns ein paar Souvenirs sowie weite, helle Hosen für den Dschungel (soll gegen Moskitos helfen) in den Marktständen am Bahnhof, bevor wir wieder in den Zug steigen – diesmal ganz ohne Schwierigkeiten. Zufrieden rollen wir uns auf den Plätzen zusammen und wollen eigentlich nur schlafen, doch da beginnt eine oberpeinliche Show des Bahnpersonals!

Ein Mann mit offenbar typisch peruanischer Strumpfmaske (diese Dinger sind schreiend bunt und man kann sie überall kaufen) und einem umgehängten Lama-Stofftier hüpft und tanzt zu seltsamer Musik durch den Zug und bleibt bei allen Reihen kurz stehen, damit jeder sein Lama streicheln kann. Das Fremdschämen ist schon sehr ausgeprägt, weil ja schließlich nicht ein einziges Kind im Zug sitzt und keiner das wirklich lustig findet… kaum hat der Clown seine vier oder fünf Runden durch den Zug gedreht, atmen wir erleichtert auf – zu früh! Es folgt: eine Modenschau mit Anden-Mode, vorgeführt immerhin von einer recht hübschen Fahrkartenkontrolleurin und dem nicht so hübschen und unmotiviert erscheinenden Kollegen, welcher seine wohl vorgeschriebene Drehung in der Zugmitte mit einem Minimum an Elan durchführt und eigentlich nur hässliche Kleidung trägt.

Etwas Schwung bekommt die peinliche Vorstellung, als ein junger Fahrgast auf die Toilette möchte, die aber gerade den Models als Umkleide dient. Nach einiger Diskussion mit dem Lama-Mann kann er diesen offenbar zu einem Handel überreden: wenn er in die Modenschau einsteigt, darf er aufs Klo. Jedenfalls kommt er mit einem Alpaka-Pulli wieder aus der Toilette heraus, sehr zur Freude seiner mitreisenden Freunde, und endlich gibt es auch mal Applaus!

Trotzdem sind alle froh, als es vorbei ist – wir auch, weil wir mal aufs Klo müssen, aber keine Anden-Mode tragen wollen.

Am Abend fallen wir müde in unsere Betten in Ollanta. Unser Hostel Chaskawasi ist mit 60 Soles für drei Personen (etwa 15 Euro!) nicht nur günstig, sondern auch vergleichsweise sehr gepflegt. Außerdem haben wir von "unserer" Dachterrasse aus einen schönen Blick auf die Festung Ollantaytambo, wie wir am nächsten Morgen nach dem Ausschlafen feststellen.

Kurz darauf stellen wir außerdem fest, dass wir keine Treppen mehr steigen oder herabsteigen können! Der Muskelkater hat uns voll erwischt, und es rächt sich nun, dass wir ein Zimmer im zweiten Stock haben, von welchem aus man zwar hervorragend das niedliche Schwein im Nachbargarten betrachten kann, welches aber nur über eine Wendeltreppe erreichbar ist.

Kurzerhand streichen wir die Besichtigung von Ollantaytambo aufgrund zu vieler Treppenstufen (laut Reiseführer) aus dem Tagesprogramm und sehen uns stattdessen etwas in Ollanta um. Wir begegnen wie überall unzähligen Hunden, die auch hier einfach mitten auf der Straße herumliegen und schlafen, bis sie von einem Auto weggehupt werden.

Unterwegs zum Markt begegnet uns noch eine kleine Entenfamilie - die Küken bekommen unser letztes trockenes Brötchen!

Der Markt ist wohl typisch peruanisch, aber recht klein. Trotzdem sind wir fasziniert, wie hier der Käse und das Fleisch einfach so vom Fußboden weg verkauft werden. Ein Schlachter zerteilt gerade ein Rind auf seinem Holztisch, das Blut wird von einem Hund aufgeleckt, der hier herumläuft.

Wir kaufen uns ein bisschen Riesenmais-Popcorn und Kaktusfeigen, dann suchen wir uns einen Bus in Richtung Cuzco.

Busfahren ist extrem günstig – wir zahlen höchstens zwanzig Cent pro Person. Dafür sitzen wir alle auf Notsitzen im total überfüllten Bus. Trotzdem witzig. Der Bus fährt leider nicht die ganze Strecke, für den Rest nehmen wir ein Taxi. Unser Taxifahrer ist ein Schlitzohr – nachdem wir den Preis ausgehandelt haben, nimmt er einfach noch zusätzlich jemanden mit und verdient vermutlich doppelt.

In Cuzco suchen wir als erstes ein Hostel, in dem nämlich gerade ein Bekannter von Gesa wohnt, dem sie etwas aus Lima mitbringen sollte. Wir lassen uns dort auch gleich ein Zimmer geben und stellen unsere Sachen unter – einchecken können wir später noch. Die Toilette ist leider nicht privat für unser Zimmer, sondern offenbar für das ganze Hostel (welches gut gefüllt ist), zusätzlich kann man die Tür nicht abschließen und die Klospülung ist kaputt. Auf dem Flur begegnet uns eine riesige Spinne und wir kommen etwas ins Grübeln – na ja.

Große Steine und typische Inka-Mauern gibt es auch hier, und in einer Straße sogar einen Stein, dessen Vorderseite so geschliffen ist, dass sie ganze 12 Ecken aufweist. Dadurch hat er es zu einer gewissen lokalen Berühmtheit gebracht, denn normale Steine in einer Mauer haben ja bekanntlich eher eine viereckige Vorderseite. Ganz brave Touristen, die wir sind, machen wir also auch Fotos von uns vor dem Star! (Gerne nachzählen! Es sind wirklich 12 Ecken - Gesa jubelt! *grins*)

Dann gehen wir auf die Suche nach einem größeren Markt, um uns für das Frühstück morgen mit Brot und Käse und Avocados einzudecken. Avocados gibt es hier reichlich: man kann auch sagen, wann genau man sie essen möchte, und bekommt dann welche im passenden Reifegrad. Im zweiten Bild sieht man einen regelrechten Avocado-Stand.

Der Markt ist beeindruckend für uns Hygiene-verrückte Europäer (keine Kühlung für Käse und Fleisch, Verkauf vom Holztresen, Hunde überall), und es ist toll, was man so alles verkaufen kann. Wer hätte gedacht, dass man für Rindernasen und Schweineköpfe und -Füße Käufer finden kann (denn damit werden hier vermutlich nicht die Hunde gefüttert)?

 

Auch spannend, was man mit Fröschen alles machen kann. Sie werden hier teils lebend, teils schon filetiert verkauft, und die Stände werben mit der Wirkung von Fröschen unter anderem gegen Kopfschmerzen, Prostataprobleme, Asthma und Wechseljahresbeschwerden. Bäh.

Wir probieren aber statt Fröschen lieber mal eine Chicha morada (fruchtig, lecker!) und natürlich Käse – den typischen für diese Region. Außerdem gibt es hier noch eine "Frucht" zum Testen, die wir noch nicht kennen: es sieht aus wie eine überdimensionale Erbsenschote, und die darin enthaltenen Kerne sind von einem süßlichen, zuckerwatteartigen Fruchtfleisch umgeben - lecker!


 

Ein verhinderter Ruinenbesuch, ein schlechtes Abendessen und ein heimlicher Hostel-Tausch (21. März)

Im Museo Inka wollen wir uns nun ein bisschen was über das Leben der Inka erzählen lassen, angeblich ist die Führung auch ausgezeichnet. Leider ist heute Samstag und das Museum hat nachmittags früher geschlossen. Schade… Na gut, dann fahren wir halt etwas früher zur Inkastätte Saqsaywamán ganz in der Nähe! Ein Taxi bringt uns hin, und der freundliche Fahrer bietet an, auf der anderen Seite des Geländes am Ausgang auf uns zu warten – er meint, wir bräuchten ja nur eine halbe Stunde oder so.

Gesagt, getan – oder auch nicht. Am Eingangshäuschen erklärt man uns, dass der Eintritt 130 Soles pro Person beträgt, also über 30 Euro, weil die Karte dann für 10 Tage und für mehrere weitere Ruinen in der Umgebung (im Sacred Valley rund um Cuzco) gilt. Dooferweise geht am nächsten Tag ganz früh morgens unser Flieger, so dass sich dieses Angebot für uns so ganz und gar nicht lohnt. Nach einigen Diskussionen über den Preis beschließen wir, die Ruinen einfach Ruinen sein zu lassen und auf der Straße neben dem Gelände zum Ausgang und damit zu unserem Taxifahrer zu gehen. Prompt kommt uns der Chef hinterher gelaufen – er denkt, wir wollten uns um den Eintrittspreis herummogeln und uns von der Seite aufs Gelände schmuggeln! Möglich wäre es ja – die einzige Absperrung ist ein simpler Holzzaun, nicht mal einen Meter hoch. Aber wir wollten doch wirklich nur zum Taxi! Der Mann glaubt uns nicht und wird wütend, schließlich droht er sogar mit der Polizei, weil wir angeblich auf einer nicht-öffentlichen Straße laufen würden. Wir fragen ihn, ob er denn wenigstens irgendwie den Taxifahrer am anderen Ende des Geländes informieren könnte – schließlich haben wir ihn noch nicht bezahlt! Nach einem Telefonat mit dem Personal am Ausgang behauptet er, da sei kein Taxi, und ruft schon wieder „Policia“ in sein Funkgerät. Wir drehen um und wiegen ihn kurz in Sicherheit, dann geht Gesa alleine wieder los, um den Taxifahrer zu holen. Das fällt offenbar nicht so auf, denn kurze Zeit später ist sie mit Taxifahrer wieder da. Der erklärt uns, es sei sehr wohl ein öffentlicher Weg und der Typ habe sich wohl nur wichtig machen wollen. Jedenfalls nimmt er seinen Job offenbar sehr ernst! ;-)

Die bekannten Ruinen können wir so nur aus der Ferne und im Halbdunkel fotografieren...

Da es nun auch schon dunkel wird, beschließen wir, den Abend beim Essen ausklingen zu lassen: typisch peruanisch, nämlich in einem Chifa-Restaurant. Das ist eine Mischung aus peruanisch und chinesisch, weil es hier besonders viele chinesische Einwanderer gibt und sich so eine ganz eigene Küche entwickelt hat. Leider ist das Restaurant weder besonders schön noch besonders gut, dafür ist der Fernseher besonders laut und die Sendung, die läuft, besonders doof – und ich bin besonders genervt, als ich feststelle, dass mein „fleischfreier“ gebratener Reis leider doch Hühnchen enthält. Die größeren Stücke haben die freundlichen Küchenkräfte wohl herausgesammelt, aber die kleinen nicht. Von den anderen beiden bestellten Essen schmeckt immerhin eins gut – trotzdem eine eher schlechte Bilanz für diesen Laden! ;-)

Um nach diesen Ärgernissen nicht auch noch in dem schäbigen Hostel übernachten zu müssen, beschließen wir, dort wieder auszuziehen. Wir suchen uns schnell ein Hostel in der Nähe und checken dort ein, schleichen uns dann wieder in das Hostel des Grauens, holen die Sachen aus dem Zimmer und schleichen uns einzeln wieder heraus – zum Glück hatten wir dort noch nicht eingecheckt! Jetzt haben wir ein ganz vernünftiges Zimmer mit eigenem Bad und können wenigstens gut schlafen, bis am nächsten Morgen um viertel vor sechs wieder ein fröhliches „Guten Morgen, Sonnenschein“ erklingt und wir den Flieger nach Lima kriegen müssen!

In Lima haben wir gar nicht viel Zeit – wir müssen alle Sachen neu packen, unsere Postkarten per Internet verschicken, Wäsche waschen und ein paar Einkäufe erledigen. Dann gönnen wir uns noch eine Pediküre, einfach nur deshalb, weil das hier so wahnsinnig günstig ist: für fünf Euro pro Person peelen und kneten und lackieren die Damen über eine halbe Stunde an unseren Füßen herum. Niko ist übrigens entsetzt, als er feststellt, dass er auch seine Füße herhalten muss! Aber da sich auch andere Männer hier die Füße und Hände pflegen lassen, entspannt er sich irgendwann, verzichtet aber ausnahmsweise auf Nagellack. Dabei schlägt die Fußpflegerin ihm doch ein schönes Rot vor! ;-)

Weil „meine“ Pediküre-Spezialistin so ewig braucht (nein, SO schlimm waren die Füße gar nicht!) kommen wir natürlich mal wieder zu spät zu Gesa nach Hause und schaffen es nur noch in allergrößter Eile, unsere Sachen zusammenzuraffen. Natürlich ist unsere Wäsche in der kurzen Zeit nicht trocken geworden – wir nehmen einfach noch eine Wäscheleine mit. Und schon stürzen wir wieder zum Flughafen und kommen wieder einmal gerade pünktlich!

Von Iquitos, der Stadt im Dschungel, dem Speer-Fischen und unserem ersten Tag in der Jungle Lodge (22. März)

Um kurz vor neun kommen wir in Iquitos an, und kaum steigen wir aus dem Flieger, haben wir das Gefühl, in einer Dampfsauna zu stehen. Da es Dämmerung ist, werden wir auch gleich von Mücken angefallen und bemühen unsere Anti-Mücken-Sprays. (Gleich vorweg: das gute alte Autan wirkt zwar, besser ist aber das Deet-Spray, das wir in Cuzco gekauft hatten!)

Ein Info-Telefonat mit unserem Touranbieter wenige Stunden zuvor hat den Vorteil, dass der uns gleich am Flughafen abholt, das Taxi organisiert und mit uns auf Hostel-Suche geht. Wir probieren zwei oder drei Hostels (zu schäbig oder überfüllt oder zu teuer), bis wir eines finden - mit dem Zimmer sind wir aber ganz zufrieden, vor allem, weil der Raum groß genug ist, um unsere Wäscheleine zu spannen und Wäsche zu trocknen! *grins*

Direkt danach begleitet uns der Chef himself (Moises) in das "Büro" des Anbieters Amazon Adventure Expeditions, ganz in der Nähe unseres Hostels. Hier werden wir in den garagenartigen Hinterraum geführt, und wenn wir nicht schon jemanden kennen würden, der mit diesem Anbieter unterwegs war, dann müssten wir wohl befürchten, dass die unsere Pässe, unser Geld und unsere Sachen einsacken und uns dann irgendwo in den Amazonas werfen - es sieht jedenfalls alles einfach anders aus als ein "solides" Reiseunternehmen in Europa! Aber wir sind nun mal in Peru, noch dazu mitten im Dschungel - nach Iquitos führen nicht einmal Straßen! Man kann die Stadt mit ungefähr 500 000 Einwohnern nämlich nur per Boot oder Flugzeug erreichen! (Hannover hat eine ähnliche Anzahl Einwohner - ob das auch so wäre, wenn die Autobahnen und Bahnstrecken fehlen würden?)

Wir besprechen unsere mögliche Tour anhand der großen Karte, die hier hängt: Zunächst einmal fahren wir mit dem Auto nach Nauta (man könnte sicher auch mit dem Boot den Amazonas hinauffahren, aber nach Nauta gibt es die wohl einzige vernünftig ausgebaute Straße), wo wir dann ins Bott umsteigen. Wir befinden uns dann für ein kurzes Stück auf dem Rio Maranon. Dieser und der Rio Ucayali sind die beiden großen Ströme, aus denen der Amazonas entsteht! Die Tour geht dann zum Beginn des Amazonas und dann auf den Rio Ucayali, und von dort aus kann man dank der Überschwemmung, die gerade jetzt, am Ende der Regenzeit herrscht, hervorragend eine Abkürzung in den Rio Yarapa nehmen, den ersten größeren Nebenfluss des Amazonas. Leider ist der in Google Maps nicht drin, sonst hätte ich davon mal ein besseres Bild gezeigt...

Am Rio Yarapa findet sich die "Jungle Lodge", wo wir übernachten und von wo aus wir Ausflüge machen können. Nachdem wir den Preis noch um ein Drittel gedrückt haben, sind wir zufrieden und schlagen ein. Jetzt geht es noch zum Abendessen: in der Antica Taverna, einer italienischen Restaurant-Kette, schlagen wir uns den Bauch noch mal so richtig voll, denn wer weiß, wann es wieder was "Normales" gibt?!

Natürlich sind wir mal wieder ganz und gar nicht ausgeschlafen, als am nächsten Morgen der Wecker klingelt. Nützt ja nix... wir packen uns ein in unser Dschungel-Outfit: man hat uns erklärt, dass wir lange, leichte und möglichst helle Kleidung tragen sollen, um die Mücken abzuwehren. Trotzdem soll man natürlich ein Repellent auftragen, denn Kleidung allein schützt nicht ausreichend. Also ordentlich fieses Autan und Deet auf die ungeschützte Haut und die Haare! (Am nächsten Tag lernen wir im Dschungel eine Irin kennen, die es mit Naturmittelchen versucht hat - sie isst unter anderem täglich eine Zehe Knoblauch. Als sie uns ihre Mückenstiche zeigt, sind wir hin- und hergerissen zwischen Mitleid und "Selbst schuld!" - Erstaunlich, wie viele Stiche auf einen Rücken passen!!)

Mit dem Auto fährt man uns ungefähr 2 Stunden nach Nauta - eine gerade, sehr gut ausgebaute Straße entlang, immer wieder an kleinen Hütten wie auf dem Foto vorbei, um Hunde herum und sehr zum Leidwesen unserer Po-Muskulatur fast gänzlich ohne Stoßdämpfer (die sind wohl hinüber). Mit schmerzenden Hinterteilen steigen wir schließlich in Nauta aus, frühstücken dort noch mal in einem kleinen Café, kaufen ein paar Mitbringsel für die Kinder in dem Dschungeldorf, welches wir besuchen wollen (Stifte und Hefte, das war ein Tipp unseres Begleiters) und dann geht es los: per Motorboot den Fluß hinunter!

Vom Boot aus können wir schon die "Selva baja", also den niederen Dschungel mit Bananen, Schilf und anderen niedrigen Pflanzen erkennen. Man sieht auch die ersten Tiere, nämlich jede Menge Vögel. Unser Begleiter erzählt uns, dass sein Bruder einmal von einer Anaconda angegriffen wurde. Die Tiere würden spucken, und das Gift würde einen Menschen für etwa zwei Stunden lähmen, aber nicht töten. In dieser Phase der Bewegungslosigkeit würde die Anaconda dann normalerweise als Würgeschlange aktiv... er konnte seinen Bruder damals aber zum Glück retten, indem er ihn von der Anaconda wegzog. Im Moment sind aber wohl wegen des Hochwassers kaum Anacondas zu finden, sagt er, und die, die da sind, hätten reichlich zu fressen. So aggressiv wie im gleichnamigen Film, in dem die Schlangen Menschen regelrecht jagen, seien die Tiere nun wirklich nicht! (Das beruhigt ein bisschen, oder?)

Unterwegs sehen wir auch schon einige der großen Seerosen - leider blühen sie gerade nicht, aber die mehr als einen Meter durchmessenden Blätter sind trotzdem beeindruckend!

Außerdem kommen wir an unzähligen Bäumen mit daran baumelnden Dingen vorbei. Wir werden aufgeklärt: das sind Vogelnester! Sie werden immer nur für ein Jahr benutzt, danach sind sie wohl unmodern und können kein Weibchen mehr hinterm Ast hervorlocken. Wenn man mal eine Weile zusieht, fallen einem auch die Vögel auf, die die Nester immer wieder anfliegen.

Kurz vor unserem Ziel treffen wir auf ein Kanu mit unserem Guide. Er heißt Wilde, genannt Lobo (der Wolf), und zunächst finden wir ihn sehr, sehr wortkarg. Und nachdem man uns im Büro noch versprochen hatte, wir könnten jederzeit alles tun und lassen, was uns einfällt, schränkt Lobo dies nun doch sehr ein. Bestimmte Dinge gingen eben heute nicht mehr, andere nur abends und überhaupt. Da sind wir erst mal etwas enttäuscht! Später stellen wir jedoch fest, dass Lobo einfach viel Ahnung hat und weiß, wann man wo welche Tiere finden kann - und wie viel Zeit man dafür braucht. So sehen und erleben wir dann sicher viel mehr, als wenn wir auf eigene Faust entschließen würden, was wir wann tun. Und er wird auch redseliger... ;-)

Lobo ist nicht nur Touristen-Guide, sondern auch der Bürgermeister eines kleinen Dorfes, der Besitzer der örtlichen Bar, Vater von drei Kindern - und der Schamane der Gegend. Ui! Das nennt man viel beschäftigt.

Jetzt erreichen wir "unsere" Lodge! Wie man sieht, steht zur Zeit alles unter Wasser. Es ist das Ende der Regenzeit, die so ungefähr bis März/April geht und hier auch "Winter" genannt wird. Der Winter ist demnach nicht kälter als der Sommer, sondern nur nasser!

Die Lodge besteht aus drei größeren Häusern: dem Hauptgebäude in der Mitte mit Essbereich, einigen Hängematten zum Ausruhen und einem abgetrennten Schlafraum und den zwei gleich großen Nebengebäuden mit jeweils zwei Schlafräumen. Hinter dem Haupthaus ist ein kleiner Küchenbereich: er besteht nur aus Dach und Boden, Wände gibt es nicht. Zum Glück gibt es die aber beim letzten Haus, das dazu gehört: dem Klo (im zweiten Bild)! Alles ist untereinander mit Stegen verbunden, und im Dunkeln sollte man besser seine Taschenlampe mitnehmen, damit man nicht hinunterfällt.

 

Wie man hier ein bisschen erkennen kann, sind die Dächer der Hütten nicht mit Ziegeln oder Blech gedeckt, sondern bestehen aus geflochtenen Palmenblättern. Es ist erstaunlich, wie dicht diese Dächer sind! Und der Rohstoff wächst nach, wenn man mal etwas flicken muss. Die Wände sind sehr einfach gebaut: ein paar Querlatten halten die nebeneinander geschraubten Bretter fest, und die Fenster sind einfach Löcher, in die Moskitonetze gehängt werden. Der Fußboden besteht auch nur aus ein paar Brettern, die auf die tragende Konstruktion aus Pfeilern (damit das Haus über dem Wasserspiegel steht) und Balken gelegt werden. Man kann auch an einigen Stellen hindurchsehen. Eine Dämmung ist ja nicht nötig, denn kalt wird es nie. So ein Haus ist innerhalb kurzer Zeit gebaut. (Wieso dauert ein Holzrahmenbau hierzulande eigentlich so lang, hm? *grins*)

Hier trocknen sehr praktisch die Gummistiefel für die Besucher.

Wir hatten ja ursprünglich geplant, mit Turnschuhen loszugehen, aber mit den Stiefeln sind wir wesentlich besser bedient! Die Turnschuhe wären schon beim ständigen Einsteigen ins Boot nass geworden, ganz zu schweigen von unserem späteren Marsch durch den Urwald, wo mir einmal sogar das Wasser oben in die Stiefel läuft...

Lobo erklärt uns, dass wir die meisten Touren ohnehin mit dem Boot machen werden, weil man von dort aus viel mehr Tiere sieht als bei einem Spaziergang durch den Wald. Auch, wenn wir sie nicht sehen - er findet sie für uns!

Nachdem wir uns Gummistiefel ausgesucht haben, gehen wir Speerfischen! Es sieht ganz einfach aus: Lobo sucht eine Stelle, wo die Wasseroberfläche von Fischen wimmelt (das sieht man mit ein bisschen Übung), dann nimmt er den Speer am hinteren Ende und wirft ihn flach ins Wasser. Schon beim ersten Versuch zappelt ein Fisch an seiner mit Widerhaken besetzten Speerspitze!

Das macht er uns noch ein paarmal vor. Nicht immer ist ein Fisch am Speer, aber dafür meistens beim nächsten Wurf gleich zwei... Am nahen Ufer sitzt eine Katzenfamilie, die schon sehr interessiert zuschaut - und die Miezen haben Glück, Lobo gönnt ihnen die ersten zwei, drei Fische! Ganz große Show, wie die Kleinen mit dem noch zappelnden Fisch kämpfen!
Jetzt dürfen wir es auch mal probieren. Gesa beginnt - aber blöderweise hat ihr Lobo die Wurftechnik noch nicht erklärt. Das klappt leider nicht. Niko braucht allerdings auch trotz richtiger Wurftechnik einige Versuche, bis der Fisch zappelt. Sooo einfach ist es wohl doch nicht!

Nach diesem Ausflug bekommen wir unser Zimmer zugewiesen. Wir haben eines in einem der Nebengebäude, netterweise mit eigenem Bad. Allerdings hat dieses Badezimmer keine Tür, na ja... wir sind ja nun schon einige Tage zusammen gereist, da macht uns das auch nicht mehr viel aus. ;-)
Unsere Betten sind von Moskitonetzen überspannt. Sehr praktisch!
Jetzt zu den Nachteilen... im Dschungel ist es wie schon beschrieben sehr feucht - und so werden auch die Klamotten nie richtig trocken. Die Matratze, die Auflagen, die Kissen - alles riecht schlimm muffig und ist beim Draufliegen feucht-klamm. Unter dem Moskitonetz ist die Luft kaum zu ertragen, es stinkt geradezu nach Schimmel. Kein Wunder, unsere Kissen sind auch leicht angeschimmelt, wie wir am nächsten Morgen feststellen. Dazu kommt noch ein reichlich kloakiger Geruch aus dem Bad. Immer, wenn man Wasser laufen lässt, sei es in der Dusche oder im Waschbecken oder im Klo, wird wohl durch das Hochwasser ein Schwall frischer Abwasserdüfte durch die Abflüsse nach oben gedrückt, und unser Zimmer riecht wie eine öffentliche Bedürfnisanstalt. So erleben wir also eine Toilette, die weniger stinkt, wenn man nicht abzieht...

Abends machen wir den nächsten Ausflug: wir wollen Alligatoren sehen! Das geht wohl nur im Dunkeln, darum nehmen wir unsere Taschenlampen mit und ziehen los. Lobo führt uns als erstes in sein Dorf. Wir stellen fest, dass auch hier fast alles unter Wasser steht. Das stört weder die Haustiere (das Schwein und die Hühner, die Hunde und Katzen) noch die Kinder, die erstmal eine Partie Matsch-Fußball spielen!

Die Schule wird zur Zeit nicht benutzt, denn in der Regenzeit ist es für viele Kinder nicht möglich, regelmäßig zu kommen. Lobo erklärt uns, dass die Schulen überwiegend durch Spenden finanziert werden. Die Kinder müssen hier ab dem Alter von 8 Jahren auch mithelfen, den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. So erstaunt es uns nicht, dass wir auf dem Fluss immer wieder auf Kanus mit kleinen Jungs treffen, die Netze einholen oder mit dem Speer fischen.
Die Schulbänke erinnern doch ziemlich an das, was man hier aus Museen kennt, aber wo sieht man schon mal eine Schule, die an zwei Seiten keine Wände hat?

Langsam wird es dunkel, und wir besteigen wieder unser Kanu. Lobo fährt uns mal wieder auf dem Fluß herum, dann immer weiter in die Uferbereiche hinein. Im Dunkeln ist das ganz schön unheimlich, schließlich müssen wir uns nun unter diversen Ästen und Zweigen hindurchducken, von denen wir nicht wissen, was darauf wohnt. Die eine oder andere Spinne fällt uns sicherlich ins Boot, Niko fängt auch mal ein großes Spinnennetz mit dem Gesicht, und da man so gar nichts sehen kann, ist es schon etwas gruselig, wenn man auf einmal spürt, dass einem etwas auf den Kopf gesprungen ist (es sind dann meist Frösche oder Grashüpfer). Und kurz vorher im Hellen haben wir ja schließlich auch eine Tarantel an einem Baum sitzen sehen... huiiiiii... *fürcht*

Leider finden wir an diesem Abend keinen Alligator. Dafür werden wir aber richtig nass, denn als wir gerade schön weit weg sind von der Lodge, fängt es in Strömen an zu regnen. Auf dem Rückweg ist dann auch noch der Motor des Bootes hinüber: die Schraube ist irgendwo hängen geblieben und ein großes Stück fehlt. Also halten wir noch mal bei Lobos Haus an, wo er dann noch schnell den Motor austauscht. Uns tun mittlerweile die Hinterteile vom langen Sitzen auf den sehr niedrigen Holzbänken im Boot erbärmlich weh, und wir beschließen, für den nächsten Tag Sitzkissen mitzunehmen. (Man wird alt...)

Dschungel-Abenteuer mit Schamane Lobo und der überaus wilden Wildnis (22.-26. März)

Wie es bei Südamerika-Reisenden leider vielfach üblich ist, befällt nun auch uns eine Magen-Darm-Grippe, wobei Niko beginnt und mehr den Darm-Anteil übernimmt und ich am nächsten Morgen mehr den Magen-Anteil mit etwas Kreislaufbeschwerden kombiniere. (Ich erinnere an das Klo ohne Tür - jetzt finden wir das nicht mehr so lustig!) Unsere erste Nacht im Dschungel ist daher wenig erholsam, und so greifen wir am nächsten Tag auch zum mitgebrachten Antibiotikum, um uns nicht die restliche Zeit verderben zu lassen.

Lobo hat da noch andere Pläne. Als Medizinmann weiß er um die Heilkraft der Pflanzen, und so greift er sich kurzerhand Niko, der ihm von seinen Problemen berichtet hat, und fährt mit ihm ein Stückchen im Kanu den Fluß hinab. Von einem bestimmten Baum schlägt er mit seiner Machete ein Stück Rinde ab, schnüffelt daran, befindet es nicht für gut und sucht den nächsten Baum. Schließlich ist ein befriedigendes Stück Rinde gefunden, und zurück in der Lodge braut er daraus unter den neugierigen Blicken aller Anwesenden einen Aufguss. Alle dürfen mal ein Stück Rinde probieren - bäh. Zieht einem alles zusammen, so bitter ist das.

Niko muss nun leider das ganze Glas austrinken, dann soll er zwei Stunden lang ruhen. Zwischendurch und danach gibts jeweils noch mal ein Glas vom Zaubertrank. Tja... was soll ich sagen? Es geht ihm danach wirklich besser. Aber ob das nun durch das Antibiotikum oder durch die Rinde kommt, wer weiß das schon?

Während Niko sich auf schamanische Anweisung hin erholt, stapfe ich mal in meinen Gummitretern um die Lodge und finde hunderte von Kleinviechern. Hier mal ein paar zur Auswahl: eine grüne Wasserspinne, zwei sehr große Tausendfüßler (diese beiden Bilder zeigen ungefähr die Originalgröße):

Und dann noch zwei, die schon verstorben sind: eine Tarantel, die bei einer anderen Spinne im Netz gefangen ist, und ein Käfer, der gerade von den Tausendfüßlern gefuttert wird.

Noch ein bisschen Erholung in den Hängematten, dann soll es gleich weitergehen!

Ab jetzt werden wir mit Tiersichtungen regelrecht verwöhnt!

Zuerst besuchen wir einen See seitlich unseres Flusses, wo man häufig Delphine sehen kann - und wir haben Glück! Die Flussdelphine (es gibt graue und pinkfarbene) sind nicht so zutraulich wie es Delphine im Meer häufig sind, und so schaffen sie es auch nicht auf unsere Fotos. Es ist allerdings ein schönes Gefühl, schwimmen zu gehen, wenn 15-20 Meter entfernt die Delphine tauchen. Das Wasser ist übrigens angenehm warm, und es belebt auch meinen etwas schwächelnden Kreislauf sehr!

Weiter geht´s - an kleinen Häusergruppen vorbei - nach "Monkey Island" - hier lebt eine Affenfamilie, die sich schon gut an die menschlichen Besucher gewöhnt hat.

Kein Wunder, schließlich haben wir ein bisschen Toastbrot und Früchte im Gepäck. Und kaum haben die Affen das Boot gesehen, turnen sie auch schon zu uns herüber. Ein Affenkind legt sich vertrauensvoll in Gesas Schoß und kuschelt sich ein, während die Mama geräuschvoll die mitgebrachte Obst-Tüte durchwühlt. Nach ein paar Minuten ist das Toastbrot langweilig, und die Äffchen trollen sich wieder. Das war aber schön!

(Natürlich wissen wir, dass die niedlichen Affen durchaus auch gefährlich beißen können. Darum gilt natürlich die Regel, sie nicht festzuhalten und zu ärgern - vorsichtiges Streicheln lassen sie sich aber durchaus gern gefallen.)

Auf unserer Weiterfahrt treffen wir auf ein Fischerboot; der Fahrer holt gerade sein Netz ein. Er ist mit Lobo bekannt, wie eigentlich alle hier, und erzählt ihm, dass ihm gestern eine kleine Anaconda ins Netz gegangen ist, die er nun noch bei sich zu Hause hat - ob wir sie sehen wollten? Ja, klar wollen wir!

Also fahren wir ein kleines Stück den Fluss hinauf, und hier holt der Mann einen weißen Sack hervor. Kurzerhand greift er hinein und präsentiert uns die circa 150cm lange Schlange, die ganz und gar nicht begeistert zu sein scheint! Es ist wohl noch ein sehr junges Tier, vielleicht ein halbes Jahr alt, denn die erwachsenen Anacondas werden durchaus länger als 10 m.

Wir dürfen dann auch mal halten: Die Haut fühlt sich ganz glatt und weich an und wir bewundern auch die Kraft des Tieres: der Versuch, die Schlange einmal ganz lang zu ziehen, scheitert, weil sie sich immer wieder windet! Übrigens kann man richtig gut in ihrem Maul den Kanal sehen, mit dem sie spuckt... bloß nicht zu nah dran!

Anmerkung: von Anacondas hab ich ja selbst keine Ahnung. Ich habe hier mal nur so aufgeschrieben, was uns unser Guide erzählt hat. Einen Monat nach der Reise hat mich eine Freundin aufgeklärt, dass Anacondas kein Gift haben. Der Kanal im Maul könnte demnach die Luftröhre oder Speiseröhre sein. Offenbar kursieren viele Gerüchte um die großen Schlangen, auch um ihre Länge. ;-)

Wir verabschieden uns von Fischer und Anaconda, denn es soll nun wieder langsam zurück zur Lodge gehen. Doch auf dem Rückweg fällt Lobo in einem Baum am Ufer ein Faultier auf. Es sitzt ganz oben im Baum (wir können es nicht einmal erkennen, nachdem uns Lobo darauf hingewiesen hat, aber er hat offenbar schärfere Augen als wir!)

Heute sind wir noch mit einem Fahrer unterwegs, der das Boot lenkt. Er hat offenbar auch noch andere Talente, denn nach einem kurzen Gespräch mit Lobo beginnt er, den Baum zu erklettern - mit einer sehr ordentlichen Geschwindigkeit! Das Faultier klettert derweil auch höher, und so können wir von Weitem eine ganze Weile betrachten, wie in etwa zwanzig Metern Höhe ein Mann versucht, ein Faultier zu fangen... schließlich bricht er einfach den Ast ab, auf dem das Tierchen sitzt, und kann es auf diese Weise greifen. Dann bindet er seinen Gürtel um den Bauch des Tieres, damit es ihn beim Runterklettern nicht verletzen kann - die Krallen eines Faultiers sind messerscharf und sehr lang!

Es ist übrigens ein Männchen, was man an einer farbigen Fellzeichung auf dem Rücken erkennen kann!

Wir bewundern natürlich die Fähigkeit des Mannes, auf den Baum zu klettern und das Faultier zu fangen, und wir finden es auch super, dass wir mal eines anfassen dürfen - aber so im Nachhinein kommt uns der Gedanke, dass das Faultier es sicher überhaupt gar nicht lustig fand. Und dann stelle man sich vor, in Deutschland würde jemand zum Spaß für Touristen ein Reh einfangen, mit Stricken zusammenschnüren, es eine Weile streicheln und dann wieder freilassen - das fänden wir irgendwie auch nicht gut. Na gut - unterm Strich ist dem Faultier ja nix passiert, immerhin. Es wird nur etwas nass, weil es einmal ins Wasser fällt, und dann verabschiedet es sich später auch schwimmenderweise. Übrigens bewegt es sich unendlich langsam, und das ist besonders lustig, wenn es schwimmt, weil es immer sooooo knapp vor dem Untergehen zu sein scheint! Da können wir uns das Lachen echt nicht verkneifen.

Kurz vor der Lodge sehen wir dann noch einen großen Leguan - bzw. Lobo sieht ihn. Es ist unglaublich, was der alles sieht - ich hätte nämlich fast das Foto aussortiert, weil ich auf den ersten Blick nix erkannt habe. Und er sieht das Vieh ja schließlich mit lauter Dschungel drumherum!

Tja... während der ganzen Fahrt habe ich mit der Übelkeit gekämpft, und das Aussteigen aus dem Boot und Laufen über die Planken gibt mir nun den Rest. Aber ich kann sagen, dass ich nie in so idyllischer Umgebung gekotzt habe wie in diesem Urlaub. ;-) Ist es nicht lieb von meinem Mann, dass er mich dabei immer fotografiert??

Zum Glück ist es danach erstmal wieder besser, auch, wenn das Abendessen mal ausfällt. (Es gibt eh immer nur sehr trockenen Reis und Gemüse in der immer gleichen Sauce, darauf kann ich auch gut verzichten...)

Zur heutigen Abend-Tour bin ich wieder fit, glasklar! Und das ist auch gut, denn heute haben wir mehr Glück. Lobo lockt die Alligatoren an: dazu macht er ganz original das Geräusch, das Hunde kurz vor dem Kotzen machen (ich verspreche auch, dieses Thema jetzt nicht mehr so häufig zu erwähnen!!) - wir denken im ersten Moment, dass ihm schlecht ist.

Als wir gerade überlegen, ob das wohl heute wieder nix wird, schiebt Lobo sein Paddel ganz vorsichtig ins Wasser, hebt es an - und es sitzt ein Baby-Alligator drauf! Einen anderen Baby-Alligator schnappt er gleich mit der Hand, und wir dürfen ihn auch mal anfassen. Auf dem zweiten Bild sieht man, wie ich ihn Gesa abnehme, um ihn auch mal zu halten. Dabei fasse ich ein kleines Stückchen zu weit vorne an, und schon habe ich spitze kleine Alligatorzähne im Finger! Da kann man sich vorstellen, dass bei einem größeren Tier der Finger auch mal ab ist. In diesem Fall ist es nur ein kleiner Kratzer, und ich kann ab jetzt behaupten, dass mein Alligatorbiss wesentlich besser verheilt ist als so mancher Katzenbiss. *grins*

Die Alligatoren hat Lobo übrigens an ihren roten Augen im Schein der Taschenlampe erkannt. Also... ich nicht. Aber wie gesagt, der Mann ist unglaublich gut in diesen Dingen!

Was uns noch so ins Boot springt, sind heute Abend vor allem Frösche und Grashüpfer (vor dem Frosch im Bild). Ganz niedlich, aber wie schon in der letzten Nacht erschreckt man sich ordentlich, wenn einem was auf den Kopf hüpft!

Hundemüde kommen wir "nach Hause" in die Lodge, wo wir noch schnell etwas trinken wollen. Eigentlich haben wir ja für heute genug Tiere gesehen, aber im Schein der Kerzen auf dem Esstisch tummeln sich auch noch jede Menge Viecher! Mücken, Fliegen, Kakerlaken... mjamm... das lässt sich halt hier nicht so gut vermeiden!

Gefahren eines Dschungel-Spaziergangs (25. März)

So... unser letzter Dschungel-Tag ist angebrochen, und mir ist immer noch etwas kreislaufig. Lobo verordnet mir ebenfalls seine Rinden-Medizin, die ich in der Hängematte herunterwürge. Prost!

Bäh. Aber ich trinke es, bin ja ein braver Patient. Leider (das hab ich ihm aber nicht verraten) will die Rinde nicht bei mir bleiben. Na ja. Die Besserung tritt trotzdem irgendwann ein, das schiebe ich daher nun mal auf das Antibiotikum! ;-)  

Während wir noch abhängen, kommt eine der anderen Lodge-Bewohnerinnen zu uns und erzählt von ihrer gestrigen Erfahrung mit der Ayahuasca-Zeremonie: eine bewusstseinserweiternde Droge, die typisch für den Dschungel ist und wegen der viele wohl extra nach Peru reisen und hier Schamanen aufsuchen. Sie ist beeindruckt, aber sieht irgendwie auch ganz schön fertig aus...

Wir gehen lieber in den Dschungel - nach einer kurzen Strecke im Boot endlich mal zu Fuß! Da der Fluss wirklich weit über die Ufer getreten ist, stapfen wir mehrfach eher im Wasser als auf Festland herum, und einmal ist es eben auch zu tief für meine Stiefel. Na ja... das Wasser ist ja warm. ;-)

Lobo behält erst einmal Recht: man sieht nicht so spektakuläre Tiere, eher die Kleinen: einen schöner Schmetterling, jede Menge Blattschneiderameisen und einen komischer Käfer mit einem Tropfen am Po.

Hier ist noch mal ein Tausendfüßler zu sehen - schade, dass man ihn im Internet nicht riechen kann, denn er riecht ganz genau wie Bittermandel-Aroma. Meine Hand, mit der ich ihn angefasse, und mein Hemd, auf dem er herumläuft, riechen nun auch so, und das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber den sonstigen Dschungel-Aromen! ;-)

 

Wenn man im Dschungel Durst hat, muss man nicht bis zum nächsten Amazonas-Nebenfluss laufen, sondern man sucht sich eine holzige Liane, haut mit seiner Machete ein gutes Stück ab und hält es hoch: schon tropft wunderbares Trinkwasser hinaus! Es schmeckt auch wesentlich besser als das Trinkwasser aus dem Kanister in der Lodge...

Plötzlich ist Lobo total aufgeregt und zittert regelrecht: eine Schlange hat versucht, ihn zu beißen - dank seiner Stiefel ist nichts passiert.

Es soll aber wohl eine sehr giftige Schlange sein, und so nah an den üblichen Wegen der Lodge-Führer und ihrer Gäste will er die Schlange nicht am Leben lassen. Also sucht er sich einen großen Stock und erschlägt sie, anschließend zertrennt er ihr sicherheitshalber noch mit dem Messer die Wirbelsäule, um die Reflexe abzustellen (es sind schon viele Leute von toten Schlangen gebissen worden!) Dann hängt er sie an einen Ast, damit ein Vogel sie fressen kann.

Nach diesem etwas rabiaten Ende des Spaziergangs sehen wir ziemlich eingesaut aus:

Macht ja nix, wir sind ja unter uns. Und jetzt geht es zum Piranha-Fischen! Lobo hat einen kleinen Fisch als Köder mitgenommen, den er nun fachgerecht zerteilt. Wir bekommen jeder eine Angel (Modell "Dschungel" zum Nachbauen für Jedermann) und versuchen unser Glück! Bei allen zappelt es mal, und die Piranhas knabbern jede Menge Köder weg, aber schließlich gelingt es Niko, einen Fisch zu fangen! Gesa schleudert ihren ins Boot, wo er unter den Planken im Sickerwasser herumschwimmt, bis wir wieder anlegen und ihn freilassen. Natürlich fängt Lobo gleich vier oder fünf Piranhas in der gleichen Zeit, der olle Angeber. ;-)

Übrigens lassen wir sie alle wieder frei - obwohl Lobo sie uns auch zum Mittagessen zubereitet hätte. Er sagt nämlich: "Wir essen hier eigentlich alles." Und grinst sich eins.

Das war schon unser letzter Ausflug im Dschungel! Wir verabschieden uns von Lobo und den stinkenden Betten, packen unseren Kram und fahren diesmal im Speedboat nach Nauta zurück. Unterwegs haben wir schon wieder Glück und sehen noch einmal Flussdelphine. Pech haben wir aber auch: genau jetzt sind die Kamera-Akkus alle! So entsteht nur ein vernünftiges Bild, obwohl die Delphine wirklich alles geben und ganz nah am Boot eine wahre Sprung-Show veranstalten... ;-)

Das Problem mit 3-Sterne-Hotels in Iquitos und ein Waisenhaus für illegal verkaufte Tiere

In Iquitos wollen wir uns jetzt nach drei Tagen Minimalansprüchen im Dschungel mal so richtig was gönnen. Also beschließen wir, statt der ewigen Hostels mal ein richtiges Hotel zu buchen. Der Mann von der Expeditions-Agentur bietet sich an, uns Hotels zu zeigen, die "wirklich schön" sind, mit Pool und allem. Alles bis zu 3 Sternen sei prima, darüber wäre es dann etwa dreimal so teuer. Okay - wir lassen uns was zeigen!

Wir werden enttäuscht - nach drei Hotels mit abblätternder Farbe an den Wänden, fehlender Klimaanlage oder allgemein fieser Umgebung bleiben wir schließlich im vierten Hotel, obwohl es uns auch nicht wirklich gefällt. Nur ist es schon so spät, dass wir keine Lust mehr auf eine weitere Suche haben. Wir überlegen, womit sich das Hotel Safari wohl seine drei Sterne verdient hat. Einen Stern gab es vermutlich für den Fernseher (den gibts im Hostel meist nicht), einen weiteren für das warme Wasser (das ist in Iquitos auch nicht üblich, weil es ja warm genug ist, um kalt zu duschen) und den dritten... tja... da fällt uns nur die putzige Toilettenverkleidung ein! ;-)

Was wir leider bei unserer Suche nach Sternen nicht gesehen haben, waren die Bettwanzen, die sich des nachts an unseren Beinen vergnügt haben. Die waren dann mit Bissen übersäht - man siehts im Bild. Bäh... Also, liebe Perureisende: bitte nicht ins Hotel Safari, jedenfalls nicht in Zimmer 205 gehen! (Die Klimaanlage hat außerdem auch getropft und am Nachttisch neben meinem Kopfkissen war eine dicke Spinnwebe.)

An unserem letzten halben Tag in Iquitos wollen wir noch ein bisschen was sehen, also folgen wir der Empfehlung eines Bekannten und besuchen die Schmetterlingsfarm. Dazu müssen wir mal wieder ein kurzes Stück Boot fahren... Was wir nicht wussten: Schmetterlinge kann man am besten früh morgens bewundern, wenn die Sonne noch nicht so stark ist. Da sind wir genau zur falschen Zeit da, denn die Sonne brennt vom Himmel (und wir haben eh schon alle Sonnenbrand im Gesicht!) Außerdem hat es kurz vorher geregnet, und Regen mögen die Tierchen auch nicht, dann suchen sie Schutz unter den Blättern.

Dafür hat diese Schmetterlingsfarm aber auch noch etwas anderes zu bieten: sie nehmen hier nämlich Tiere auf, die bei illegalen Tierverkäufen beschlagnahmt werden. Und gleich im Eingangsbereich sitzen ein paar Papageien, im Bereich der Kasse tummeln sich Affen.

Ein Affe klaut wohl immer Kameras und Uhren und Brillen von Touristen, erklärt uns ein Angestellter - wir sollen aufpassen!

Aber die leere Flasche darf er sich mal angucken. Erstaunlich: er dreht sie professionell auf, trinkt den letzten Tropfen, und dreht den Deckel wieder drauf! Bei einer anderen Flasche ist der Deckel zu fest aufgeschraubt, so dass er mit den Zähnen nachhilft - aber er weiß trotzdem ganz genau, in welcher Richtung er drehen muss!

Damit ihn dabei keiner stört, klettert er schon mal kurz unters Dach, wo man ihn nicht fangen kann.

Dieser rotgesichtige Kollege lässt Niko trotz seines sonnenverbrannten Gesichts fast blass aussehen! Sein Hobby, erklärt der Angestellte, ist das Lausen von Haaren weiblicher Touristen. Stimmt! Kaum hab ich mich hingesetzt, beginnt er a) mit dem Lausen und b) mit dem vorfreudigen Schmatzen. Er arbeitet hochkonzentriert, wird aber leider enttäuscht: keine Laus zu finden. :-(

Anmerkung von Kirstin: Der rotgesichtige Affe ist ein "roter Uakari". sein Gesicht ist normalerweise rosafarben und wenn er sich aufregt oder ängstigt, dann läuft er knallrot an. Danke! :-)

Dieser kleine Mann nutzt die Gelegenheit, dass ich gerade sitze: er springt ganz schnell auf meinen Schoß und kuschelt sich ein! Das Rückenkraulen findet er ganz hervorragend, und so muss ich natürlich ein Weilchen kraulen, bevor ich weitergehen kann.

Jetzt beginnt erst unsere eigentliche Führung: ein Biologe erklärt uns den Entwicklungszyklus der Schmetterlinge, zeigt uns unzählige Raupen und Kokons und erwähnt auch, dass in Peru die Kinder leider nicht in der Schule lernen, dass die Puppen noch lebende Tiere enthalten. Diese würden wohl oft mutwillig von Kindern zerstört. Die Raupen sehen teilweise sehr interessant aus, aber am schönsten ist eine Art, die nur nachts frisst und bei der sich die Raupen tagsüber zum Pennen auf einem Blatt treffen und wie ein Schmuckstück aussehen!

Im eigentlichen Schmetterlingshaus sehen wir dann leider nur wenige Schmetterlinge, die meisten davon sind schon stark beschädigt. Als Entschädigung zeigt uns der Führer den Jaguar Pedro Bello, den er auch gleich mit einem ordentlichen Stück Fleisch füttert! Als das Fleisch weg ist, findet Pedro uns gar nicht mehr so gut und springt wild an sein Käfiggitter, wobei er uns von oben bis unten mit Schlamm besprenkelt. Na, das ist ja auch sein gutes Recht. ;-)

Wir besuchen nun noch einen letzten Bewohner in diesem kleinen "Zoo": Lucas, den Tapir! Er ist fünf Jahre alt und damit noch nicht ausgewachsen, aber schon ganz erstaunlich groß. Angeblich soll er noch einen Meter länger werden! Kein Wunder, dass Tapire in der Quechua-Sprache auch Dschungelkühe genannt werden. Sie sind übrigens auch Vegetarier - vielleicht mag ich Lucas deshalb so gerne? Oder wegen seiner rüsselartigen Nase, mit der er alles beschnuppert?    

Lucas mag uns jedenfalls auch, weil wir ihn kraulen. Das findet er so klasse, dass er sich auch auf den Rücken schmeißt und genießerisch die Augen schließt. Ich kann mich fast gar nicht trennen, aber wir haben eine Verabredung mit unserem Bootsfahrer und müssen langsam mal los. Obwohl die Sonne noch ganz schön brennt, braut sich da in der Ferne etwas zusammen... hier wechselt das Wetter oft und schnell!

Eine letzte Station haben wir noch vor uns: den Markt und die Armutsviertel von Belén. Hierher sollten Touristen wohl besser nicht alleine gehen! Wir lassen uns führen von einem Taxifahrer (er hatte uns in seinem kleinen Motorrad-Taxi zum Bootsanleger in Richtung Schmetterlingsfarm gebracht und uns anschließend noch ein bisschen herumgeführt), der uns eindringlich warnt, unsere Wertsachen nicht zu zeigen, alles gut festzuhalten und gerade in den engeren Gassen gut aufzupassen, wer hinter einem geht.

Zuerst preist er uns auf dem Markt aber noch ein paar Dinge an, unter anderem Liebestränke und diverse Mittelchen gegen allerhand Erkrankungen.

Offenbar bekommt man hier alles - leider auch Anacondahaut und Jaguarfell, und natürlich Ayahuasca. Das Fleisch, das hier verkauft wird, ist fast schwarz, es stinkt überall bestialisch nach gammeligem Fisch, und dass Geier-artige Vögel im überall herumliegenden Müll und den Essensresten herumstolzieren, macht das Bild irgendwie komplett.

Unser Taxifahrer lädt uns in sein Haus ein, weil er vom Dach aus so eine gute Sicht über das Armutsviertel Belén hat. Das Viertel steht in dieser Jahreszeit komplett unter Wasser. Viele haben ihr Haus auf Stelzen gebaut, andere können halt in der Regenzeit ihr Erdgeschoss nicht benutzen. Trotz des Elends sehen wir fröhliche Kinder, die hier im Wasser planschen.

Unser Fahrer macht uns aber auch auf das große Problem mit Kinderprostitution aufmerksam, das hier besteht. Und auch sonst ist es wohl keine besonders gute Gegend... als wir umdrehen wollen, sagt der Bootsführer, dass er gerade nicht drehen kann, weil uns jemand folgt. Wir müssen also einen kleinen Umweg machen.

Als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, sind wir ziemlich erleichtert.

Jetzt müssen wir schnell zum Flughafen - aber es ist kein Taxi zu bekommen!

Also bleibt uns nur die in Iquitos übliche Art der Fortbewegung: auf einem Motorrad-Taxi! Ähnlich wie diese drei Damen mit ihren Bananen sehen wohl auch wir aus, als wir uns mit vier Rucksäcken und drei Reisetaschen zu dritt in und auf das Motorradtaxi quetschen, welches prompt auf halber Strecke zum Flughafen einen Platten hat.

Zum Glück ist gleich hinter uns noch eins (die Straßen sind ja voll davon), so dass wir schnell umpacken und weiterfahren können.

Aus dem Flugzeug werfen wir noch einen letzten Blick auf den Amazonas und seine Nebenflüsse, bevor es weitergeht nach Lima, nach Madrid, nach Frankfurt, nach Buke und schließlich nach Pattensen...

Peru ist auf jeden Fall eine Reise wert - und wenn jetzt jemand auf den Geschmack gekommen ist: 9 Tage sind einfach viel zu wenig! Wir hätten überall gerne mehr Zeit verbracht!

An dieser Stelle noch mal ein ganz dickes Dankeschön an Gesa für das viele Organisieren. Hat Spaß gemacht! :-)

 

Hannover, 01. April 2009

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